Neue Arbeitsmarktplattform für die Euregio Rhein-Waal

30-11/18


Arbeitsmarktplattform soll Arbeitsmobilität in der Euregio Rhein-Waal steigern

 

„Ein Firmensitz an der deutsch-niederländischen Grenze kann ein Standortvorteil sein.“ Dieses Fazit zogen die Teilnehmer des ersten Workshops, der eine grenzüberschreitende Arbeitsmarktplattform etablieren soll. Im Rahmen des INTERREG VA-Projekts GrenzInfoPunkt Euregio Rhein-Waal soll die neue Plattform dazu beitragen, die Arbeitsmobilität im Bereich der Euregio Rhein-Waal zu steigern. Im ersten Schritt hatte die Euregio Vertreter mehrerer Institutionen und grenzübergreifend tätiger Unternehmen eingeladen, um zu eruieren, wie eine solche Plattform gestaltet werden kann.

 

Auf beiden Seiten der deutsch-niederländischen Grenze herrscht ein Mangel an Fachkräften, sind Tausende Stellen nicht besetzt. Gleichzeitig sind mindestens ebenso viele Menschen auf Arbeitssuche. Hier will die neue Arbeitsmarktplattform ansetzen: Arbeitnehmer sollen die Chancen auf der jeweils anderen Seite der Grenze kennenlernen. Hindernisse im grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt sollen identifiziert und – soweit möglich – abgebaut werden. „Ziel ist es, mit neuen Ideen und Aktionen einen unbürokratischen, offenen und transparenten grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt zu schaffen“, betont Alfred Derks, bei der Euregio Rhein-Waal Projektleiter des GrenzInfoPunktes. Derzeit wird die Grenze häufig als Problem erfahren. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind oft nur auf „ihrer“ Seite aktiv – vor allem, weil sie sich lieber im vertrauten Umfeld bewegen, als das unbekannte Terrain hinter der Grenze zu erkunden. Dabei bieten sich genau dort oft interessante Möglichkeiten.

 

Strenge Regeln

Das größte Hindernis für grenzüberschreitende Arbeitsmobilität sind die strengen deutschen Regelungen in bestimmten Berufsfeldern. „In allen Berufen, in denen es um juristische Tätigkeiten geht – von Anwaltskanzleien bis zu kommunalen Diensten – haben Niederländer gar keine Möglichkeit, in Deutschland tätig zu werden“, berichtete beispielsweise Freddy Heinzel, Honorarkonsul der Niederlande und Partner von Strick Rechtsanwälte und Steuerberater. Diese Berufe könne nur ausüben, wer in Deutschland die entsprechende Ausbildung nachweislich absolviert habe.  Ähnliche Einschränkungen sind im Handwerk zu verzeichnen, wie Achim Zirwes, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Kleve, erläuterte. So dürfen bestimmte Tätigkeiten nur von qualifizierten Meistern ausgeführt werden.


Chancen sehen

Gleichzeitig bieten die unterschiedlichen rechtlichen Rahmenbedingungen und Ausbildungsgänge große Chancen. „Deutsche Maurer werden gleichzeitig als Betonbauer ausgebildet. Das ist in den Niederlanden nicht der Fall. Somit kann ein niederländischer Arbeitgeber mit einem deutschen Maurer gleich zwei Kompetenzen abdecken“, lautete ein Beispiel. Zudem gebe es auch zahlreiche Berufe in Deutschland, bei denen es nicht auf die entsprechenden Zeugnisse und Zertifikate ankomme. „Bei uns geht es um die kommunikative Kompetenz, nicht um die entsprechenden Nachweise“, berichtete Frank Wöbbeking, Gründer und Geschäftsführer der Kommunikationsagentur mediamixx. In dem 15-köpfigen Team arbeiten seit mehr als 20 Jahren deutsche und niederländische Mitarbeiter zusammen.

 

Erfolgsbeispiele

Im großen Stil funktioniert die grenzüberschreitende Arbeitsmobilität bereits bei der niederländischen Aluminiumgießerei MGG Netherlands mit Sitz in Tegelen. Bei dem Unternehmen, das vor allem die Automobilindustrie beliefert, sind bereits zahlreiche deutsche Arbeitnehmer tätig.  Die Firma beschäftigt insgesamt rund 1.600 Mitarbeiter an acht Standorten in vier Ländern. Niels Maas aus der Personalabteilung schätzt an deutschen Mitarbeitern vor allem deren technische Kenntnisse und Zuverlässigkeit.

In dieser Frage waren sich alle Beteiligten einig: Die Vorteile im grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt sollen stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt werden. Nur wenn die Chancen und Vorteile bekannt sind, können sie auch genutzt werden. Deshalb sollen jetzt gezielt Erfolgsbeispiele gesammelt und veröffentlicht werden.

 

Startschuss im Burgers‘  Zoo

Der nächste Schritt steht am 24. Januar 2019 auf dem Programm. Im Burgers‘ Zoo in Arnheim soll der sprichwörtliche Startschuss für die Arbeitsmarktplattform fallen. Zu der Veranstaltung sind alle Arbeitgeber, Institutionen, Arbeitnehmer und andere Interessierte eingeladen, die dazu beitragen wollen, den Arbeitsmarkt in der Euregio Rhein-Waal stärker zu mobilisieren. Damit der Sitz im Grenzgebiet tatsächlich ein Standortvorteil wird.  

 

Die Arbeitsmarktplattform wird im Rahmen des INTERREG V A Projektes GrenzInfoPunkt Euregio Rhein-Waal, mit Unterstützung des EU-Programms INTERREG Deutschland-Nederland, des Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen und der niederländischen Provinzen Gelderland, Noord-Brabant und Limburg, realisiert.


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