Nachhaltigkeit von A bis Z: Zwei Partnerschulen arbeiten an kreativem Wettbewerbsbeitrag

In einem Comic würde über dem Städtischen Gymnasium Straelen momentan eine riesige Denkblase schweben, gepaart mit gezackten Sprechblasen für spontane, kreative Zwischenrufe: „Ich habe auch noch eine Idee!“. Bei den beiden Kursen der elften Jahrgangsstufe von Sven Kohnen, Marion van Huet und Sabrina Hungerhoff rauchen momentan die Köpfe. Die Schülerinnen und Schüler stecken mitten in der kreativen Erarbeitungsphase für ihren Beitrag zur dritten Ausgabe des euregionalen Schulwettbewerbs, der dieses Jahr unter dem Motto Nachhaltigkeit steht. Im Videocall gewährte uns eine stellvertretende Kleingruppe Einblicke hinter die Kulissen.

 

In diesem Jahr fällt der Schulwettbewerb in die anhaltende Phase der Corona-Pandemie, doch das bremst die Parallelkurse des Städtischen Gymnasiums in Straelen nicht aus: Für ihren Wettbewerbsbeitrag lassen sie sich von den digitalen Workshops des euregionalen Schulwettbewerbs inspirieren, in denen die niederländische Meteorologin Margot Ribberink ihnen die Themen Klimawandel sowie Nachhaltigkeit in den Bereichen Wohnen, Mobilität, Ernährung und Konsumgüter näherbringt. Noch bis zum 15. März haben sie Zeit, ihr Endprodukt zu erarbeiten – und das ist ganz schön aufwändig.

 

Digitaler Schul-Rundgang mit nachhaltiger Ausstellung              

Da es persönlich aktuell nicht geht, stecken die Schülerinnen und Schüler eben virtuell die Köpfe zusammen. Was dabei herumkommt, ist ein umfangreiches Projekt mit nachhaltigen Themen von A bis Z – und das darf man in diesem Fall durchaus wörtlich verstehen. Geplant ist nämlich ein virtueller Rundgang durch das Städtische Gymnasium, bei dem die Kurse ein Nachhaltigkeits-Alphabet präsentieren. Wie in einer multimedialen Ausstellung kann man so virtuell die Schule erkunden und sich dabei an verschiedenen Stellen durch die Buchstaben des Alphabets klicken. Hinter jedem Schriftzeichen versteckt sich ein facettenreicher Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit, den die Jugendlichen in Kleingruppen erarbeiten. Unterstützt werden sie hierbei von ihrer niederländischen Partnerschule, dem Jan van Brabant College in Helmond. Auch dort übernehmen zwei Klassen einige Buchstaben des Alphabets und lassen sich hierzu Beiträge einfallen. Bernadettes Gruppe beschäftigt sich zum Beispiel mit „Z wie Zukunft“. Sie stellt Fotos aus, die zeigen, was passiert, wenn der Klimawandel so weiterverläuft wie bisher: Das „Ewige Eis“ in der Antarktis würde irgendwann nicht mehr zu sehen sein. Jan produziert mit seinem Partner einen Podcast zum Thema Luftverschmutzung und Melina möchte mit ihrer Gruppe ein Verbesserungskonzept für ein McDonalds-Menü vorstellen, das weniger CO2-Ausstoß verursacht. „Die Schülerinnen und Schüler sind unwahrscheinlich kreativ bei der Gestaltung ihrer Beiträge und haben Spaß an dem Projekt“, so Lehrerin Sabrina Hungerhoff.

 

Lehrstoff für den Alltag

Die Beschäftigung mit den Wettbewerbsbeiträgen zum Thema Nachhaltigkeit zeigt, dass Theorie und Praxis ganz nah beieinander liegen können. Die Schülergruppen erarbeiten keinen abstrakten Lerngegenstand, sondern Wissen für einen nachhaltigeren Alltag. Lehrer Sven Kohnen ist überzeugt: „Die Projektarbeit im Rahmen des Schulwettbewerbs macht Lehrstoff für Schüler erlebbar. Das bleibt viel besser hängen als jede Theorie.“  Dass die Beschäftigung mit Klima und Umwelt nicht nur für die Einreichung wichtig ist, sondern sich auch schon im Alltag und Bewusstsein der Jugendlichen niedergeschlagen hat, berichten Jan und Bernadette: Seit der Teilnahme an den digitalen Workshops achten sie immer darauf, das Licht auszuschalten, bevor sie den Raum verlassen. Auch Melina ließ sich von den Lehrgängen inspirieren: „Wenn ich mich jetzt mit Freunden zum Kochen verabrede, versuchen wir, vor allem vegane oder vegetarische Rezepte auszuprobieren. Das ist viel besser für die Umwelt als ständiger Fleischkonsum.“ Auch Mia haben die Workshops die Augen geöffnet, zum Beispiel die Information, wie viel Luftverschmutzung ein Flugzeug verursacht. Ebenso ist Nele nun viel bewusster, dass man ganz schön viel CO2-Ausstoß verantworten muss, wenn man in einen Burger beißt. Außerdem haben die Schülerinnen und Schüler gelernt, dass die Niederländer zwar viel mehr mit dem Rad oder Elektroauto unterwegs sind, aber dafür die Deutschen Strom sparen, indem sie an heißen Tagen die Jalousien herunterlassen, um die Wärme draußen zu halten und sich die Aktivierung der Klimaanlage zu sparen. Dieser Tipp ist in den Niederlanden kaum verbreitet.

 

Zusammenarbeit mit der Partnerschule

Gerne wären die Kurse aus Straelen in der Wettbewerbsphase in den Bus nach Helmond gestiegen, um zusammen mit ihrer Partnerschule am Wettbewerbsbeitrag zu arbeiten. In der aktuellen Situation geht das zwar nicht, aber dennoch unterstützen sich die Schülergruppen gegenseitig. In einer Videokonferenz besprachen sie zu Beginn der Projektphase ihr gemeinsames Vorhaben. Und da die Kurse aus Straelen ihre Beiträge auf Niederländisch verfassen, werden ihre Teampartner im Nachbarland sie vor der Einreichung sprachlich überprüfen. Das funktioniert natürlich auch andersherum. Darüber freut sich Lehrerin Marion van Huet: „Der Schulwettbewerb bot den perfekten Anlass, um mit der niederländischen Partnerschule in Helmond in Kontakt zu treten. Dafür bleibt sonst in der Qualifikationsphase kaum Zeit. Durch den Schulwettbewerb konnten wir die Zusammenarbeit perfekt in den Unterricht einbinden. Und das Thema Klimawandel steht dieses Jahr sowieso auf dem Lehrplan.“ Auch außerhalb des Schulwettbewerbs schätzen die Schülerinnen und Schüler den Kontakt zu niederländischen Altersgenossen. Amelie und Franziska waren im vergangenen Schuljahr bei einem Austausch mit der Partnerschule in Helmond dabei und haben in dieser Zeit viel über die niederländische Sprache und Kultur gelernt. Und Franziska findet: „Es ist wichtig, dass man sich mit den Niederländern auch in ihrer Muttersprache unterhalten kann, wenn man direkt an der Grenze wohnt. Das ist viel höflicher, als sich immer darauf zu verlassen, dass alle Niederländer Deutsch verstehen!“