Der Nikolaus erreicht Deutschland erst am Vorabend des 6. Dezembers

Seit Mitte November ist Sinterklaas wieder im Lande. In vielen Häusern hat er gestern Abend ans Fenster geklopft, woraufhin die Kinder des Hauses an der Eingangstür einen Korb voller Geschenke entdeckten. Das gilt allerdings nur, wenn es eine niederländische Eingangstür war. Für unsere deutschen Nachbarn ist der Nikolaus zwar kein Unbekannter, aber Sinterklaas, wie wir Niederländer es feiern, kennt man in Deutschland nicht.

 

Vor ein paar Wochen war ich mit zwei deutschen Freundinnen einen Tag zum Shoppen in Enschede. Der Zufall wollte es, dass genau an diesem Tag Sinterklaas in der Stadt begrüßt wurde. Meine Freundinnen trauten ihren Augen nicht. Was machten diese schwarz geschminkten Menschen da? Was streuten sie in die Menge? Und was machte denn Sinterklaas schon im November in den Niederlanden? Es stellte sich heraus: In Deutschland wird Nikolaus nicht so groß gefeiert wie in den Niederlanden. Während wir am 5. Dezember schon seit Wochen regelmäßig unsere Schuhe herausgestellt haben, geschieht das bei unseren deutschen Nachbarn erst an diesem Abend selbst. Nachts kommt der Nikolaus mit seinem Knecht Ruprecht und legt kleine Geschenke hinein. Für die bedauernswerten Kinder in Deutschland war es das schon: Der „Pakjesavond“ mit jeder Menge Geschenken ist in Deutschland unbekannt. Ein weiterer Unterschied: Während wir unsere Schuhe an den Kamin stellen, weil die Geschenke durch den Schornstein kommen, stellen die Deutschen ihre Schuhe an die Hintertür. Und zwar ordentlich geputzt, wie meine deutsche Kollegin mir erzählte – aber diese Anweisung könnte auch ein schlauer Kniff ihrer Eltern gewesen sein.

 

Auch zu Weihnachten gibt es Unterschiede zwischen den Niederlanden und Deutschland. Als ich noch in Deutschland wohnte, war Ende November ich diejenige, die große Augen machte. Meine deutschen Mitbewohner zauberten einen schönen Kranz hervor, auf den vier rote Kerzen gesteckt wurden. In der Adventszeit wurde jeden Sonntag eine weitere Kerze angezündet, bis am letzten Sonntag vor Weihnachten alle vier Kerzen brannten. In den Niederlanden sieht man dieses Ritual nur noch in der Kirche und in christlichen Familien, während es in Deutschland in zahlreichen Häusern ein fester Brauch ist.

 

Darüber hinaus bastelten meine Mitbewohner fleißig Adventskalender für ihre Lieben. In Deutschland sind Adventskalender in den letzten Monaten des Jahres big business – ob sie nun in einem Geschäft gekauft oder selbstgemacht werden. Obwohl dieses Phänomen auch in den immer Niederlanden zunehmend in Mode gerät, begnügen sich die meisten Niederländer mit einem einfachen Adventskalender mit Schokoladenfüllung. Und wer in Deutschland am 24. Dezember abends noch schnell ein paar Lebensmittel fürs Weihnachtsessen einkaufen will, muss damit rechnen, vor verschlossenen Supermarkttüren zu stehen. Dieser Abend ist in Deutschland heilig: Die ganze Familie kommt zusammen, man isst gemeinsam und alle bekommen Geschenke.

 

Weihnachten wird also bei unseren östlichen Nachbarn größer gefeiert als in den Niederlanden, dafür können wir drei Wochen lang Sinterklaas genießen. In beiden Ländern findet man im Dezember jedoch überall Weihnachtsbäume, viele Lichter, jede Menge Geselligkeit und gutes Essen. Und eines ist während der Feiertage an jedem Ort auf der Welt das Wichtigste: Zeit mit den Menschen zu verbringen, die einem am Herzen liegen. Frohe Feiertage!

 

Femke