Andreas Gebbink

Ich bin 41 Jahre alt, verheiratet und habe drei Kinder. Seit 2018 bin ich Redaktionsleiter der NRZ-Kreisredaktion Kleve mit den Standorten Kleve und Emmerich. Zuvor war ich Redaktionsleiter der NRZ-Lokalredaktion Kleve (seit 2011). Mit den Niederlanden bin ich auf „professioneller“ Ebene während meines Studiums in Berührung gekommen. Ich habe das Fach Niederlande-Studien in Münster als Nebenfach eines Magisterstudiums studiert und im Anschluss mehrere Jahre die Niederlande-Seite der NRZ betreut. Als Lokalredaktion Kleve setzen wir uns regelmäßig mit grenzüberschreitenden Themen auseinander. Aktuell mit der Serie „Nachbar Nimwegen“, die ein Jahr lang jeden Samstag erscheint.

 

Was haben Sie vor Augen, wenn Sie an die Niederlande denken?

Wenn ich an die Niederlande denke, habe ich ein sehr differenziertes Bild vor Augen. Es gibt im Land beachtliche kulturelle Unterschiede in den Regionen, die das Land spannend machen. Politisch bewundere ich die schnelle Durchsetzungsfähigkeit von Entscheidungen. Ganz nach dem Motto: gesagt – getan. Der Ausbau des Radverkehrsnetzes ist vorbildlich, ebenso die Wasserbautechnik und der Bahnverkehr. Natürlich gibt es auch viele Dinge, die einen nerven können: Der ewige Stau auf den Autobahnen, die vielen Menschenmassen in der Randstad. Aber das ist wohl für alle Ballungszentren so üblich.

 

Warum finden Sie es wichtig, dass Schüler sich mit der Sprache und Kultur ihres Nachbarlandes auseinandersetzen?

Europa entwickelt sich nicht in den Hauptstädten, sondern vor Ort. Die Grenzregion Kleve-Nimwegen ist diesbezüglich eine sehr spannende Region. Unsere Grenzen waren in der langen Historie nie so strikt, wie wir sie heute kennen. Niederländer und Deutsche haben eine gemeinsame Kultur, die leider durch die Sprachbarriere verdeckt wird. Man möge sich nur die aktuelle Ausstellung zu „Maria von Geldern“ im Nimweger Valkhof-Museum ansehen, um zu verstehen, wie divers und reichhaltige diese Region ist. Daher halte ich es für wichtig, dass man den Grenzraum vielmehr als gemeinsame Region versteht. Wenn Schüler sich mit der Sprache des Nachbarlandes auseinandersetzen, entwickeln sie mehr Verständnis für den Nachbarn und entdecken die Gemeinsamkeiten in der Kultur.

 

Sind Ihnen in Ihrem Arbeitsalltag schon einmal Unterschiede zwischen Deutschen und Niederländern aufgefallen?

Natürlich! Niederländer sind oftmals sehr direkt im Umgang und legen viel Wert auf ein effizientes Arbeiten. Ich meine auch, dass die Evaluationskultur sehr viel stärker ausgeprägt ist als in Deutschland. Wenn etwas schlecht läuft, dann wird das sehr viel genauer analysiert und abgestellt als auf der deutschen Seite. Hier habe ich vor allem das Beispiel Schule vor Augen. Während deutsche Lehrer in ihrem Berufsleben kaum überprüft werden, müssen sich niederländische Lehrer regelmäßig mit Überprüfungen ihrer Lehrqualitäten auseinandersetzen. Das finde ich gut.